Kein Wanderweg entlang der Aa

Stellungnahme des BUND zum geplanten Wanderweg entlang der Aa

Die Kreisgruppe Münster des BUND lehnt die Planung eines Wanderweges entlang der Aa ab. Eine Wegeerschließung von Haus Kump bis zum Schloss Hülshoff macht alle Bemühungen der letzten Jahrzehnte, die Aa sowie die Relikte des angrenzenden Auenlebensraums und die lebensraumtypischen Arten zu schützen und zu entwickeln, allein schon aufgrund zusätzlicher Beunruhigungen, die mit einer
entsprechenden Wegeverbindung entlang der Aa verbunden sind, zunichte.

Der betreffende Landschaftsraum befindet sich in einem Landschaftsschutzgebiet und die Aa wie auch die angrenzenden Auenflächen werden durch den Landschaftsplan Roxeler Riedel als Naturschutzgebiet mit folgender Zielsetzung geschützt:

  • Erhaltung und Wiederherstellung einer weitgehend naturnahen Gewässeraue als zentrale Achse eines Biotopverbundsystems für das westliche Stadtgebiet Münsters;
  • Erhaltung und Wiederherstellung einer naturnahen Fließgewässerdynamik einschließlich naturnaher Steil- und Flachufer, Uferabbrüche, Auskolkungen, offener Sandablagerungen und Überschwemmungsräume, insbesondere durch Selbstentwicklung;
  • Erhaltung, Selbstentwicklung und Förderung von Lebensgemeinschaften oder Lebensstätten bestimmter, zum Teil stark gefährdeter bzw. vom Aussterben bedrohter, wildlebender Pflanzen- und Tierarten, insbesondere von
    a) Wiesen- und Wasservögeln, Reptilien, Amphibien, Fischen, Libellen und Wasserinsekten;
    b) seltenen, zum Teil stark gefährdeten Pflanzengesellschaften und Pflanzenarten des Gewässers, von Altwassern, Röhrichten und Hochstaudenfluren, des Feucht- und Nassgrünlandes sowie der natürlichen Vegetation der Weich- und Hartholzaue.
  • Sicherung des natürlichen Überschwemmungsgebiets der Aa

(Vergleiche hierzu: Münster - Umweltkataster (stadt-muenster.de))

Damit verbietet sich jede Planung, die zu einer Zunahme an Nutzungen, Störungen und Beunruhigungen im Bereich der Gewässer- und Auenlebensräume führen würde. Hier hat der Schutz der Natur absoluten Vorrang. Dies ist zu respektieren. Ein Weg entlang der Aa oder in der Aue würde diesen Zielen zuwider laufen.Deshalb lehnt der BUND diese Planung ab.

Wie problematisch die Freizeit- und Naherholungsnutzung für Naturschutzgebiete ist, lässt sich an vielen Beispielen, auch im Bereich der Aa, belegen. Im Umfeld des Fuß- und Radweges von Gievenbeck nach Roxel, der ein kurzes Stück entlang der Aa führt, sind zahlreiche Trampelpfade abseits des offiziellen Weges entstanden. Ein in diesem Bereich als Kompensationsmaßnahme des Straßenbaus angelegtes Stillgewässer wird heftig für Freizeitzwecke genutzt. Die bestehenden Hinweisschilder werden permanent missachtet. Dadurch kann der Kleinweiher seiner ihm zugedachten Aufgabe als Lebensraum wildlebender Tiere und Pflanzen kaum noch gerecht werden und bedarf des Schutzes und nicht einer noch stärkeren Beunruhigung. Ein erweitertes Wegeangebot und damit einhergehend die Erschließung bislang verborgener Areale würde zu Beeinträchtigungen im gesamten Verlauf des Fließgewässers führen. Raumgreifende Beunruhigungen, die Unterschreitung von Fluchtdistanzen schutzbedürftiger Arten und die Zerstörung der restlichen Auenlebensräume wären vorprogrammiert. Die Rückzugs- und Regenerationsräume, die wildlebende Tiere und Pflanzen dringend zum Überleben und zur Fortpflanzung benötigen, gingen unter dem zunehmenden Nutzungsdruck verloren. Die Aue würde ihre Funktion als Vernetzungskorridor für den kompletten Landschaftsraum verlieren. Dies wäre eine verlorene Chance und für das Ökosystem und seine bedrohten Arten eine Katastrophe.

Ergänzend sei hier auch auf das Kompensationsflächenkataster der Stadt Münster hingewiesen, das entlang der Aa viele Kompensationsflächen ausweist. Kompensationsflächen erfordern ein gewisses, naturraumtypisches Potential, um andernorts erfolgte Eingriffe kompensieren zu können und sie müssen verfügbar sein. Das schmale Auenband links und rechts der Aa dient also dem Ausgleich von Schäden am Naturhaushalt und ist für die ökologische Bilanz innerhalb des Münsteraner Stadtgebietes von großer Bedeutung, was die ökologische Relevanz der Aa-Aue unterstreicht. Aufgrund der speziellen Anforderungen und des hohen Nutzungsdrucks auf nahezu alle Flächen im Münsteraner Stadtgebiet, sind geeignete Kompensationsflächen nur schwer zu finden und mühevoll bzw. nur mit großem Aufwand zu sichern. Die Realisierung des Wanderweges und die damit verbundenen Beeinträchtigungen würden einerseits zusätzliche Kompensationsflächen als Ausgleich für den Wegebau und die Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes beanspruchen und hätten andererseits eine Entwertung der potentiellen, im Kataster gesicherten Kompensationsflächen im Bereich der Aa zur Folge. Das würde insgesamt eine weitere Verknappung der Kompensationsflächen im Stadtgebiet sowie Kostensteigerungen bei der Eingriffsregelung und eine aufwändige Suche nach neuen Kompensationsflächen nach sich ziehen.

Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass Kompensationsräume gezielt in Bereiche gelegt werden, die landwirtschaftlich weniger produktiv sind, um der Landwirtschaft entgegen zu kommen und diese nicht zusätzlich zu strapazieren. Die Ausweisung der wirtschaftlich weniger ertragreichen und häufig durch Überflutung und hohe Wasserstände geprägten Flächen als potentielle Kompensationsflächen entlastet die Kompensationsflächensuche in hochproduktiven Räumen.

Die massiven Verluste und unzähligen Kompromisse, die der Naturraum durch immer neue Wohn- und Gewerbegebiete sowie durch Straßenbau und Verkehr oder die Intensivierung der Landwirtschaft hinnehmen muss, sind überaus zerstörerisch für den Naturhaushalt und verpflichten unsere Gesellschaft zur mehr Rücksichtnahme und Verantwortungsbewusstsein. Es ist an der Zeit Konsequenz zu zeigen und endlich kompromisslos Verantwortung für das Überleben gefährdeter Lebensräume und Arten zu übernehmen. Nur so bleibt die Lebensqualität in der Stadt - auch für uns Menschen - erhalten.

Zum Schluss wollen wir nochmal betonen, dass auch wir es begrüßen, wenn den Menschen ihre heimische Natur erfahrbar gemacht wird. Damit das aber gelingt ohne dass die Ziele des Naturschutzes konterkariert werden, bedarf es eines Besucher­managements mit dem dafür gesorgt wird, dass Rückzugsgebiete erhalten bleiben. Am Beispiel der Rieselfelder kann man sehen, dass das viel Geld, Personal und ehrenamtliches Engagement erfordert. Aber anders als bei den Rieselfeldern, die ein großflächiges Schutzgebiet sind, handelt es sich bei der Aa-Aue um ein schmales langes Band mit sehr vielen massiven, randlichen Einflüssen und Nutzungs­an­sprüchen. Eine effektive Lenkung der Besucherströme ist hier nicht möglich und die Hoffnung, dass die freiwillige Rücksichtnahme und Selbstdisziplin der Besucher die weitere Naturzerstörung verhindert oder gar zu dem geforderten Erhalt und zur Entwicklung der natürlichen Strukturen beiträgt, ist leider nicht realistisch. Allzu viele Beispiele belegen das.

 

 



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