Klimaanpassungskonzept für die Stadt Münster

Von den Aufgaben, die uns die zu erwartenden Klimaveränderungen stellen, ist der Klimaschutz sicherlich die absolut primäre Aufgabe. Für einen Erfolg müssen aber viele Akteure mitmachen, was bekanntlich nicht gesichert ist. Deshalb müssen wir uns darauf einstellten, dass eine Zunahme der Erderwärmung bereits stattfindet und dass sie sich noch verstärken wird. Deshalb tritt neben die Aufgabe des Klimaschutzes die der Klimaanpassung.

Die Stadt Münster - Amt für Grünflächen und Umweltschutz - hat im Frühjahr 2014 einem Aachener Fachbüro zusammen mit dem Fachbereich Geografie/Klimatologie der RWTH Aachen den Auftrag erteilt, ein Handlungskonzept zu erarbeiten. Zugleich wurde eine - breit aufgestellte - Arbeitsgruppe eingerichtet, die den Erarbeitungsprozess begleiten soll; an ihr beteiligen sich auch zwei BUND-Vertreter. Die erste Besprechung war am 2. Juli 2014. Dort wurde von einem Meteorologen auf die Erkenntnisse aus den Sachstandsberichten des Weltklimarates (IPCC) hingewiesen, wonach zukünftig mit einer Zunahme der Wetterextreme (Starkregen, Hitze, Stürme) zu rechnen ist. Was Starkregen und Hitze betrifft, beruhigte er allerdings auch: „Für Münster dürfte das in den nächsten Jahren noch keine konkrete Bedrohung bedeuten, wohl aber später.“ Wenige Wochen danach, am 28 Juli, wussten wir es besser: 290 l Niederschlag auf den Quadratmeter in wenigen Stunden - eine Regen-Katastrophe! Niemand weiß zwar, inwieweit die Klimaveränderungen dazu beigetragen haben, ausschließen kann man das aber auch nicht.

Unter diesem Eindruck fand am 20. 11. 2014 ein zweites Arbeitstreffen mit den Gutachtern aus Aachen statt, bei dem es konkreter wurde: Wie gehen wir in Münster künftig mit Starkregen und mit dem Temperaturanstieg um? Dabei beschränken sich die Gutachter zunächst auf das Jahr 2030 als Prognosehorizont. Für die Innenstadt von Münster werden für 2030 ca. 2, 5 ° Anstieg der mittleren Jahrestemperatur prognostiziert. Nach heißen Tagen könnte sich der nächtliche Temperaturrückgang um bis zu 9 ° vermindern, d. h. es fehlt dann die erfrischende nächtliche Abkühlung.

Alle Teilnehmer wurden aufgefordert, ihr Wissen hierzu beizusteuern und Vorschläge zu machen, wovon auch umfangreich Gebrauch gemacht wurde. Naturgemäß machten wir den Vorschlag, möglichst keine neuen Baugebiete in bisher landwirtschaftlich genutzten oder sonst frei gebliebenen Flächen auszuweisen. Denn die damit verbundene weitere Versiegelung würde den Temperaturanstieg beschleunigen. Niederschläge werden dann nicht mehr vom Boden aufgenommen, sondern fließen oberirdisch und ungehindert ab und führen, wenn die Kanalisation sie nicht mehr aufnehmen kann, zu Überschwemmungen. Allerdings kann das durch die Schaffung von Retentionsräumen abgemildert werden. Ein weiterer Vorschlag ging dahin, die Begrünung von Dächern, Fassaden und von Flächen im öffentlichen Raum massiv auszuweiten und absterbende Bäume durch neue und hitzeresistente Bäume zu ersetzen. Die Gutachter werden diese Vorschläge auswerten und bei einem weiteren Treffen voraussichtlich im Februar 2015 den Entwurf eines Handlungsprogramms vorstellen.

(Dieter Schmalz)



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